Ein Juwel in Lübecks Museumslandschaft
Das Behnhaus hat mir richtig gefehlt! 3,5 Jahre lang dauerten die Modernisierungsarbeiten an diesem Kulturschatz in der Lübecker Altstadt. Wann immer ich in der Königstraße 14 am Behnhaus vorbeikam, verspürte ich so eine Art Sehnsucht. Nach den eleganten Räumlichkeiten und der Möglichkeit, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Nach einzigartigen Kunstwerken des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Und nach meinem Lieblingsbild, dem „Kind im Spielzimmer“ von Heinrich Eduard Linde-Walther, das Else, die Tochter des Kunsthistorikers Walther Gensel im Jahr 1901 zeigt.
Dass überdies der Zugang zum Pavillon der Overbeck-Gesellschaft durch den Bürgergarten versperrt war, trübte meine Stimmung umso mehr. Jetzt aber ist die Wartezeit überstanden und ich nehme dich heute für die Lübeck ZWISCHENZEILEN zu einer kleinen Wiederbegegnung mit.
Wo Räume Geschichten erzählen
Das Behnhaus ist – nicht nur für mich – eines der schönsten Museen in Deutschland. Das liegt ganz eindeutig an den prachtvollen Räumlichkeiten. An der Eleganz der lichtdurchfluteten Räume. Klarheit und Ruhe strahlen sie aus. Ende des 19. Jahrhunderts wurde hier noch gelebt – kultiviert, geordnet und mit einem Sinn für Schönheit, der dem Haus bis heute geblieben ist.

Das Behnhaus war ein bürgerlicher Wohnsitz. Morgens duftete es nach Bohnerwachs und frisch aufgebrühtem Kaffee. In der Küche klapperte Geschirr, auf den Fluren glitten Dienstmädchen lautlos an den Türen vorbei. Die Tochter des Hauses übte am Klavier, während der Hausherr seine Zeitung las und die Hausherrin den Einkauf für die Soiree am Abend plante. Mittags glänzte im Speisezimmer das Tafelsilber, und durch die hohen Fenster fiel ein stilles Licht auf die dunklen Holzmöbel – ein Alltag, der in den Räumen dieses klassizistischen Stadtpalais noch nachhallt.
Geist des Gemeinsinns
Die Geschichte des Behnhauses ist bis heute eng mit dem bürgerschaftlichen Engagement in der Stadt verknüpft. Es ist ein Kind des Bürgersinns – entstanden und erhalten durch die Unterstützung von Stiftungen, Sammler:innen und kunstliebenden Lübecker:innen.
Dies ist einer der Gründe, warum sich viele Menschen, die hier leben, dem Behnhaus so eng verbunden fühlen.
Fast Jede:r hat ein Lieblingsobjekt, sei es eine Zeichung, eine Skulptur, ein Gemälde oder eine Fotografie.
Sich auf Lokales und Regionales zu besinnen, ist der Leitgedanke in der Arbeit des Hauses und des Museumsdirektors Alexander Bastek. Er hat mit seinem engagierten Team die Zeit der Schließung genutzt und die Sammlungspräsentation neu konzeptioniert.
Bezüge zwischen Kunst und Architektur
Dein Streifzug durch das Haus führt dich in die prachtvollen Räume des Palais. In der ehemaligen Küche erwarten dich Werke der deutschen Romantik, darunter Gemälde von Caspar David Friedrich und dessen Zeitgenossen Carl Gustav Carus und Carl Blechen.

Im Landschaftszimmer, das der Bauherr des Behnhauses, Peter Hinrich Tesdorpf, als Schlafzimmer nutzte, ließ Familie Behn Mitte des 19. Jahrhunderts ein Panoramabild südlicher Gefilde malen. Während man durch die Fenster in den Lübecker Garten blickte, konnte man schon nach dem Aufwachen vom sonnigen Süden träumen..

Gegenübergestellt ist der “Wannseegarten“ von Max Liebermann. Ein weiterer Sehnsuchtsort, der sich in diesen Raum thematisch wunderbar einfügt.

Auf der Galerie im 1. Obergeschoss werden deutsche Impressionisten gezeigt. Neben Arbeiten der Künstler der Berliner Secession Max Liebermann, Lovis Corint und Max Slevogt zeigt das Behnhaus hier Werke Lübecker bzw. norddeutscher Künstler.
historische salons IM Behnhaus in Lübeck
Im blauen Salon findet auch das dunkle Kapitel der Geschichte des Behnhauses seinen Raum. Hier zeigt ein großformatiges, auf Glas aufgezogenes Foto von Hildegard Heise aus – vermutlich – 1927, wie die Beletage damals aussah. Nur noch eines der abgebildeten Gemälde gehört heute noch zur Sammlung. 1933 wurde Heise von den Nationalsozialisten entlassen. Werke wurden beschlagnahmt und gingen dem Museum verloren. Die meisten von ihnen für immer. Wie ein Schleier aus Glas liegt das Foto über der Vergangenheit – und macht deutlich, wie zerbrechlich das ist, was uns so selbstverständlich erscheint.


Künstlerinnen im Damen-Refugium
Im ehemaligen Schlafgemach der Dame des Hauses (ja, man schlief selbstverständlich in getrennten Räumen) sind Arbeiten von Künstlerinnen zu sehen, denen es damals noch nicht erlaubt war, an einer Akademie oder einer Universität zu studieren. Einen Beruf frei zu wählen, war im 19. Jahrhundert für Frauen undenkbar. Es gab „Damenklassen“, private Akademien, die Malunterreicht anboten. Im Schlafzimmer der Dame sind Paula Modersohn-Becker, Maria Slavona und Else Wex-Cleemann zu entdecken. Die Architektur des Raumes und die Gemälde ergänzen einander hier aufs Schönste.

Von Stadtbildern damals
Weitere Highlights der Sammlung bietet der Kleine Salon oder auch Ecksalon. In dem schmalen Raum im 1. Obergeschoss hängen drei Lübeck-Ansichten aus verschiedenen Zeiten. Stadtbilder, gemalt von drei Nicht-Lübeckern. Der Niederländer Cornelis Springer eröffnet uns den Blick auf Markt, Rathaus und St. Marien im Jahre 1870. Fast genauso sieht das Herz der Altstadt auch heute noch aus.

1920 besuchte der Amerikaner Lionel Feininger die Stadt. 10 Jahre später schuf er sein Gemälde „Alte Häuser”, das Hausfassaden in der Schmiedestraße zeigt. Schließlich Oskar Kokoschka. Sein Stadtporträt von 1958 zeigt die Jakobikirche. Auch dieser Blick ist vertraut: am linken Bildrand das Heiligen-Geist-Hospital. Im Hintergrund die Türme St. Mariens.

die Linde-Kinder
Ein Besuch im Behnhaus wäre unvollkommen, wenn ich dir nicht auch die „Kinder des Dr. Linde“ zeigen würde. Wobei du sie gar nicht übersehen kannst. Endlich haben sie dank der umfangreichen Sanierungsarbeiten ihren Platz im Foyer wieder eingenommen. Von dort waren sie u.a. wegen der Zugluft verbannnt worden. Das Gemälde von Edvard Munch ist nicht nur ein eindrückliches Beispiel der Kulturgeschichte Lübecks, sondern auch eines der liebsten Bilder der Lübecker:innen. Munch hat Lübeck häufig besucht und viele Stunden im Hause seines Mäzens, des Kunstsammlers Dr. Max Linde verbracht. Das Gruppenportrait von 1903 zeigt laut einer Schilderung des ehemaligen Direktors des Museums Dr. Carl Georg Heise den Moment des Kennenlernens. Die Kinder waren vom Garten hereingerufen worden, um den norwegischen Gast zu begrüßen. Das Bild strahlt wegen seines hellen Hintergrundes und der Lichtreflexe eine große Ruhe aus.

Diese Gelassenheit solltest du vor Ort spüren. Mit den neuen Sitzmöbeln in vielen Salons ist das ein “Linde-Kinderspiel”. So macht Kunst entdecken richtig Spaß!
Unser Podcast-Team von den Lübeck ZWISCHENTÖNEN war ebenfalls vor Ort:


