Atelier Land Wasser Licht in Lübeck

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Barbara Schwartz

Bilder für die Seele

In das neue Jahr starten wir mit einer visuellen und gedanklichen Reise in die Natur und besuchen dazu das Atelier Land Wasser Licht in der Fleischhauerstraße 38. Dort erwartet mich der Künstler Jens-Peter Tschuschke für ein Gespräch für die Lübeck ZWISCHENZEILEN. Es geht um seine Kunst, seine Maltechniken und um seine enge Verbindung zur Natur und der Welt, die ihn umgibt.

Eine Tür, die immer offen steht

Die Tür zum Atelier von Jens-Peter Tschuschke steht nicht nur einen Spalt offen – sie ist geradezu eine Einladung. Wenn dich eines der Werke im Schaufenster anzieht und du den Künstler in seinem Atelier sitzen siehst, den Blick auf die Leinwand gerichtet, dann darfst du sehr gern einfach eintreten. Denn Jens freut sich über genau diese Momente, in denen aus Neugier ein Gespräch wird. Kunst ist für ihn ein Mittel zum Zweck: zum Austausch über das Leben, zum Philosophieren. „Kunst ist unverzichtbar“, sagt er – und meint damit nicht nur das Bild, sondern die Verbindung, die zwischen zwei Menschen im Austausch über Kunst entsteht.

Land Wasser Licht - Zu Besuch im Atelier in Lübeck
Jens-Peter Tschuschke in seinem Atelier

Angekommen in Lübeck

2020 zog Jens von Hamburg nach Lübeck, längst verbunden mit der Stadt. Seine Diplomarbeit hatte er über das Gründerviertel geschrieben. Die gotische Backsteinarchitektur, die Nähe zur Ostsee und die Musik: dieser Dreiklang zog ihn an wie eine vertraute Melodie.  
Begonnen hat es allerdings schon viel früher, in Wilhelmshaven an der Jade. Gemalt hat Jens bereits als kleiner Junge. Er berichtet von seiner Kindheit. Vom Draußensein am Strand und an der Mole, vom Wind im Gesicht, vom Blick vom Hafen aufs Wasser. Er beschreibt, wie die Bugwellen der Ruderer über dem glitzernden Wasser schon damals eine meditative Ruhe in ihm auslösten. Ein Gefühl, das die meisten Menschen sehr gut nachvollziehen können.

Land Wasser Licht - Zu Besuch im Atelier in Lübeck
Bild VII aus dem Zyklus -7 Seestimmungen nach C.D.Friedrich-, Öl auf Holz, 40 x 30  cm

Sehen lernen

Das Studium an der Universität der Künste Berlin hat ihm das Sehen beigebracht: Perspektive, Raum, das Aquarellieren. 2005 folgte die erste Ausstellung in Hamburg, weitere in Wilhelmshaven, im Wattenmeerhaus, im Cum Laude in der Humboldt Universität in Berlin, im Landeshaus in Kiel.

Zum Aquarellieren kam im Schaffensprozess die Ölmalerei hinzu. Spannend finde ich, dass das Material, auf dem Jens seine Ölbilder malt, eine entscheidende Rolle spielt. Sie entstehen auf Holz und auf rohem Leinen. Die Struktur des Untergrundes erzählt dem Künstler bereits eine erste Geschichte. Eine Maserung, die an die Brandung des Meeres erinnert, inspiriert Formen und die Bildentwicklung.

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Von Beginn an war Jens klar: Er will nicht beliebig sein. Sein stärkster Sog ist bis heute das Wasser. Ihn faszinieren Wellen, die Brandung, Wolken und der Himmel in immer wieder neuen Spiegelungen auf dem Wasser. Jens verbindet sich mit dem Sujet. Malen wird zum gestalterischen und emotionalen Prozess, in dem letzlich ein prägnanter Moment eingefangen wird. Im Atelier wirst du aber feststellen, dass es nicht ausschließlich um das Thema Wasser geht. Denn wenn ihn das Meer gerade nicht ruft, fertigt Jens Bilder seiner zweiten großen Liebe an und widmet sich Lübecks backsteinerner Silhouette. Gotische Türme, Giebel und Fassaden im Licht haben es dem Künstler angetan.

Land Wasser Licht - Zu Besuch im Atelier in Lübeck
Ein Tor ein Baum- Aquarell, 40 x 55 cm
Land Wasser Licht - Zu Besuch im Atelier in Lübeck
Jakobichor- Aquarell, 35 x 47 cm

Fixsterne über dem Wasser

Drei berühmte Vorbilder begleiten seine Arbeit: William Turner, Caspar David Friedrich und Iwan Aiwasowski. Was diese drei großen Künstler verbindet, ist weniger eine Schule als ein Gefühl: Natur ist bei ihnen keine Kulisse, sondern ein seelischer Raum. Turner und Aiwasowski lieben das Meer direkt, Friedrich nähert sich ihm häufig als Idee von Weite und Innerlichkeit. Der Mensch ist klein oder fehlt ganz, während Lichtstimmungen, Wetter und Weite die Hauptrollen spielen. Genau dort setzt auch Jens an: Ein Horizont ist für ihn mehr als eine Linie – eher eine Einladung ins Unendliche. Und das Licht wird zum eigentlichen Erzähler, der im Wasser sichtbar wird: in Spiegelungen, Gischt und dem kurzen Flimmern zwischen Ruhe und Sturm.

Land Wasser Licht - Zu Besuch im Atelier in Lübeck
Halligkante- Öl auf Rohleinen, 130 x 100 cm

Wo das Meer mit Farben spielt

Am liebsten malt Jens am Brodtener Ufer: Schaumkronen, glitzernde Steine, Lichtreflexe, Schattenfarben im Meer. Das Wasser ist für ihn Seelenlandschaft – indifferent, bedrohlich und wunderschön zugleich. Die Freiheit des Horizonts, das Rauschen, die Unendlichkeit. Das Auf und Ab der Wellen: wie das Leben. Darüber lässt sich tatsächlich stundenlang philosophieren.

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Am Brodtener Ufer- Öl auf Leinwand, 70 x 100 cm
Land Wasser Licht - Zu Besuch im Atelier in Lübeck
Uferlichtung- 80 x 100 cm

Wenn du den Künstler kennenlernen möchtest, besuche ihn am Tag der Offenen Ateliers in Lübeck am 2. und 3. Mai 2026 oder während der Lübecker Museumsnacht am 29. August 2026. So lange willst du nicht warten? Dann nimm dir Zeit für einen Besuch, wenn die Ateliertür offensteht. Dann hast du Jens-Peter Tschuschke nämlich für dich allein. Du kannst schauen und staunen. Dich in Gedanken vertiefen. Und wer weiß: Vielleicht findest du genau das Stück Meer – oder ein Stück Lübeck – das du mit nach Hause nehmen willst.

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Bulleye- Öl auf Leinwand, d=15 cm

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Barbara Schwartz

Kennst du das auch? Du kommst an einer Inschrift, einer Skulptur oder einer Gedenktafel vorbei und musst einfach stehenbleiben, um herauszufinden, was es damit auf sich hat? So geht es mir. IMMER! „Man erblickt nur, was man schon weiß und versteht.“ Ich kann Goethe an dieser Stelle nur hundertprozentig zustimmen. Genau deshalb möchte ich nie aufhören, das nur scheinbar Unwichtige aufzuspüren, Zusammenhänge zu erkennen, Neues zu erfahren und Menschen und ihren Geschichten auf die Spur zu kommen. Okay und zu lange Sätze zu schreiben .. . Und neue Sprachen zu lernen natürlich ...

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