Mit Liebe, Luft und warmer Butter

Geschrieben am:

Barbara Schwartz, Autorin Lübeck Zwischenzeilen

von:

Barbara Schwartz

Heute gönne ich mir zur Abwechslung mal ein zartschmelzendes Törtchen mit einem flüssigen Maracuja-Kern. Diese süße Nascherei ist nicht nur ein appetitlicher Hingucker, sondern auch ein himmlischer Gaumenschmaus. Eine wundervolle Geschmacksexplosion, die genussvoll auf der Zunge zergeht. Ich bin zu Besuch in der UTER Konditoreibar in der belebten und beliebten Fleischhauerstraße. Im Haus mit der Nummer 62 bietet der Konditor und Patissier Aurèle Uter seine eigenen Kreationen an.

Schuld ist die Oma


Gebürtig im schönen Schwaben stand der junge Schulabgänger vor der Frage: was nun? Auf beharrliches Drängen der Eltern absolvierte er diverse Praktika, die sämtlichst keine unbändigen Glücksgefühle in ihm auslösten. Als Aurèle zum Geburtstag seiner Cousine einen selbstgebackenen Kuchen präsentierte, riet die begeisterte Oma, es doch mit dem Beruf des Konditors zu probieren. Zum Glück für uns alle hörte er auf die Großmama, absolvierte ein Praktikum und wusste nach nur drei Tagen, dass Backen genau sein Ding ist. Nach der Lehrzeit in einem traditionellen Familienbetrieb, wo er das Handwerk von der Pike auf lernte, zog es ihn hinaus in die Welt und schließlich 2010 nach Lübeck.

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Think big


Nach der Meisterprüfung und prägenden Stationen – unter anderem in der Startphase des NORD im Europäischen Hansemuseum und im Café Fräulein Brömse – wuchs die Lust nach mehr kreativer Freiheit und darauf, etwas Eigenes zu probieren. Was als Traum begann, wurde schrittweise zur Realität – zum UTER. Wie ich erfahre, verlief der Geschäftsstart jedoch nicht so flüssig wie die Pralinencreme für die Zubereitung seiner „Dicken Belgier“. Die Eröffnung verzögerte sich um mehrere Monate aufgrund baulicher Erfordernisse, die sich teilweise erst im Renovierungsprozess ergaben und auch wegen des Lockdowns und der Auflagen infolge der Covid-19-Pandemie. Herausforderungen, die Aurèle mutig meisterte. Er baute einen Lieferservice auf, der weiterhin sehr gern in Anspruch genommen wird, und blieb in dieser schwierigen Phase durch eben diesen persönlichen Kontakt zu seinen Gästen sichtbar. Kundenbindung at ist best.

Das UTER – die Konditoreibar


Das Ambiente ist pur und klar – ein gewollter und bewusster Kontrast zu den verspielten Patisserie-Leckereien. Die Konditorei präsentiert sich als Platz im schlichten industrial style mit Hockern ohne Lehne, das von Mittwoch bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr zufällig Vorbeischlendernde ebenso wie zahlreiche Stammkunden in den lässigen Innenraum lockt, wo der Blick durch die Glasscheibe auf den Arbeitsplatz des Konditormeisters in seiner Backstube fällt. Hier lässt sich hautnah erleben, wie die unfassbar leckeren Törtchen entstehen. So nahbar und warmherzig wie der Inhaber ist auch die Atmosphäre. Es soll und darf locker zugehen. „Come as you are“ lautet denn auch die Devise des Hauses. Manche Gäste kommen mehrmals pro Woche und genießen hier ein superleckeres Frühstück und die himmlischen Kreationen des Gastgebers ebenso wie den Blechkuchen wie man ihn vom Nachmittagskaffee bei Oma kennt.

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Ohne warme Butter geht’s nicht


Ausschließlich natürliche Zutaten in Bioqualität kommen in den Teig. Und ganz klar ist auch: Sahne, Eier und Butter sind die Zauberzutaten für die Eigenkreationen des UTER. Zimmerwarme Zutaten, übrigens! „Ich habe hier immer ein paar Kilo warme Butter liegen. Wie sonst sollte ich Luft in den Teig schlagen?“, lacht der Patissier. Das muss ich mir merken! Hat er sonst noch einen Tipp? „Es braucht Geduld! Vor allem, wenn es um die Zubereitung eines Hefeteigs geht. Am besten den Teig komplett vergessen und in Ruhe gehen lassen. Dann klappt es. Und ja! Definitiv muss ein Kuchen in der Form auskühlen.“ Nur ned hudla, würde wohl der Schwabe sagen.

Wohin geht die Reise?


Die gelebte Nachbarschaft in der Fleischhauerstraße, die sich in den vergangenen Jahren zu einer der Lieblingsrippenstraßen der Lübecker Altstadt gemausert hat, liegt Aurèle besonders am Herzen. Weiterentwickeln will er sich, nicht stehenbleiben. So wurde in letzter Zeit immer häufiger nach veganen Leckereien gefragt. Für ihn Anlass genug, um auszuprobieren und zu kreieren. Inzwischen gibt es einen veganen Kuchen, der – wie immer – die Handschrift des Meisters trägt. Für sich persönlich wünscht sich Aurèle etwas mehr Freizeit für Dinge, die ihn abseits der Backstube bewegen und Raum für Inspiration für immer neue Naschereien mit Suchtpotenzial. Das sollte dem Chocolatier mit den Zauberhänden gelingen. Heißt Aurèle doch „der aus Gold Gemachte“.

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geschrieben von:

Barbara Schwartz, Autorin Lübeck Zwischenzeilen

Barbara Schwartz

Kennst du das auch? Du kommst an einer Inschrift, einer Skulptur oder einer Gedenktafel vorbei und musst einfach stehenbleiben, um herauszufinden, was es damit auf sich hat? So geht es mir. IMMER! „Man erblickt nur, was man schon weiß und versteht.“ Ich kann Goethe an dieser Stelle nur hundertprozentig zustimmen. Genau deshalb möchte ich nie aufhören, das nur scheinbar Unwichtige aufzuspüren, Zusammenhänge zu erkennen, Neues zu erfahren und Menschen und ihren Geschichten auf die Spur zu kommen. Okay und zu lange Sätze zu schreiben .. . Und neue Sprachen zu lernen natürlich ...

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