Nachhaltig Einkaufen in Lübeck

Geschrieben am:

Barbara Schwartz, Autorin Lübeck Zwischenzeilen

von:

Barbara Schwartz

Der „Goldene Hirsch“

Manchmal weiß man nicht, dass das Leben einem gerade ein Geschenk überreicht. In diesem Fall war die Empfängerin Sybille Frey, die im Herbst 2020 auf der Suche nach einem Laden durch Lübecks Altstadt streifte und die seit 2018 leerstehenden „Hirsch-Apotheke in der Hüxstraße 76 entdeckte und nicht ahnte, dass sich daraus das Projekt ihres Lebens entwickeln würde.

PopUp nachhaltig & fair

Eine breite Palette handgefertigter Wunderbarkeiten bietet der Laden „Goldener Hirsch“, darunter handgedrechselte Schreibgeräte und Gebrauchsgegenstände aus heimischen und exotischen Hölzern, Lederkleidung zum Tragen und Wohlfühlen, handgebundene Bücher, handgefädelter Schmuck aus ökofairen Perlen, handgesiedete Pflanzenölseifen und handgeschleuderten Honig. Jedes Produkt wird mit außerordentlicher Liebe zum Detail aus nachhaltigen und /oder fair gehandelten bzw. Fairtrade-zertifizierten Werkstoffen und Materialien in Norddeutschland gefertigt. Dies ist die Herzensangelegenheit des Teams aus aktuell vierzehn gleichgesinnten, engagierten Produzent:innen, die dieselben Werte und Visionen teilen und ökologische und soziale Verantwortung übernehmen.

Am Anfang standen zufällige Begegnungen und Gespräche auf Kunsthandwerkermärkten. Man tauschte sich aus, gab einander Tipps und schuf so ganz unbeabsichtigt ein Netzwerk, das das Projekt „Goldener Hirsch“ heute trägt und das es ohne die aktuelle Pandemie so gar nicht geben würde. Denn als 2020 so gut wie alle Kunsthandwerkermärkte abgesagt wurden, brach auch das für Manufakturen so wichtige Weihnachtsgeschäft und damit einer der entscheidenden Vertriebswege weg. So entwickelten die Netzwerkpartner die Idee, für die Vorweihnachtswochen in der Lübecker Altstadt einen Pop-up Store zu eröffnen.

Das Husarenstück

Die Schmuckdesignerin Sybille Frey hatte das Haus in der Hüxstraße 76 bereits ins Auge gefasst und durch einen Tipp die Eigentümer der Immobilie ausfindig gemacht, die der Idee eines Pop-up-Stores sofort aufgeschlossen gegenüberstanden und neun Manufakturen in ihrer ehemaligen Apotheke eine neue Heimat gaben. In nur vier Wochen gelang es dem Team um Sybille Frey, den historischen Räumlichkeiten neues Leben einzuhauchen. „Ein Husarenstück“, wie Sybille Frey es nennt, denn obwohl das wundervolle Mobiliar sogleich genutzt werden konnte, war der organisatorische Aufwand in der Kürze der Zeit immens. Gestartet wurde am 2. November unter den Bedingungen des Teil-Lockdowns. Eine Herausforderung, denn trotz der idealen Lage des Stores in der beliebten Hüxstraße war das Team mit seinem vielfältigen Angebot gänzlich unbekannt. Nach nur sechs Wochen kam der strenge Lockdown, das Geschäft musste schließen und hier hätte die Geschichte auch bereits enden können. Doch es kam anders

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es

Innerhalb dieser kurzen Zeit bekamen die Macherinnen des Stores dennoch so viel positives Feedback und durchweg ermutigende Rückmeldungen der Kundschaft, dass sich die Erkenntnis durchsetzte: „Wir machen hier gerade etwas richtig.“ Es schien, als habe genau dieser Laden auf die Manufakturinhaberinnen gewartet. Ihre hochwertigen Produkte kamen im historischen Mobiliar, in den Regalen und Schubladen mit der charmanten Ausstrahlung der ehemaligen Apotheke ideal zur Geltung. Und so reifte der Plan: “Wir mieten dauerhaft.“ Als Glücksfall erwies sich bei diesem Vorhaben die beispiellose Unterstützung der Eigentümer, die im Lockdown sogar auf die Mieteinnahmen verzichteten und die Ideen und Aktivitäten des Teams fördern. Und dass der Laden „Goldener Hirsch“ heißen würde, war von Anfang an klar, wies doch der an der Fassade befindliche Geweihträger schon von weitem auf diesen besonderen und irgendwie magischen Ort hin, einen Ort, der noch unendlich viel Raum zur Weiterentwicklung bietet – so im ehemaligen Apothekenlabor, im Garten hinter dem Haus und in weiteren Räumen im ersten Obergeschoss.

Plötzlich Geschäftsfrau

Was Sybille Frey anpackt, verfolgt sie mit 150-prozentiger Leidenschaft, wie sie selbst von sich sagt. Sie agiert als Mieterin und steckt ihre gesamte Energie in die konzeptionelle Arbeit, die ihr unglaublich viel Freude bereitet. Bei allen anstehenden Veränderungen möchte sie jedoch unbedingt die Historie des Hauses bewahren und mit weiteren passenden Manufakturen lebendig halten. Fast scheint es, als sei sie von sich selbst überrascht, von ihrem Mut, noch einmal etwas ganz Neues zu beginnen und die Verantwortung für den Erfolg eines Ladens für viele eigenständige Akteur:innen zu übernehmen. Was sie bei ihrem Lebensprojekt antreibt, ist die feste Überzeugung, dass sie und ihre Mitstreiterinnen mit dem „Goldenen Hirschen“ Impulse für einen Wertewandel setzen und zu einer Veränderung des Konsumverhaltens beitragen können.Die ehemalige Apotheke soll eine Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft sein. Aus einer Zeit, in der Rohstoffe und Ressourcen umsichtig und bewusst genutzt wurden. Hin zu einer Zeit, in der nachhaltiges Leben wieder Relevanz haben wird. Und sie soll ein Ort des wertschätzenden Umgangs miteinander und mit der Kundschaft sein.

Das Team sprudelt nur so vor Ideen, wie das eigene Können und Wissen zukünftig in vielfacher Weise weitergegeben werden kann, etwa indem Produzent:innen über die verwendeten Materialien und Stoffe informieren und Interessierte hinter die Kulissen schauen lassen. Darüber hinaus angedacht sind ein insekten- und bienenfreundlicher Garten, Näh- und Spinnkurse und Workshops im traditionellem Buchbindehandwerk. Aktuell sind das noch Pläne. Was aber schon heute geht: Kleidsames, Überraschendes, Nützliches, Leckeres, Praktisches und Schmückendes kaufen und dabei mit nachhaltig arbeitenden Produzent:innen ins Gespräch kommen.

Lübeck ist Fairtrade Stadt
Hier erfährst du mehr über Lübecks Initiativen und nachhaltigen Genuss.

Hirsch Apotheke Bild 5

geschrieben von:

Barbara Schwartz, Autorin Lübeck Zwischenzeilen

Barbara Schwartz

Kennst du das auch? Du kommst an einer Inschrift, einer Skulptur oder einer Gedenktafel vorbei und musst einfach stehenbleiben, um herauszufinden, was es damit auf sich hat? So geht es mir. IMMER! „Man erblickt nur, was man schon weiß und versteht.“ Ich kann Goethe an dieser Stelle nur hundertprozentig zustimmen. Genau deshalb möchte ich nie aufhören, das nur scheinbar Unwichtige aufzuspüren, Zusammenhänge zu erkennen, Neues zu erfahren und Menschen und ihren Geschichten auf die Spur zu kommen. Okay und zu lange Sätze zu schreiben .. . Und neue Sprachen zu lernen natürlich ...

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