Die Fremden

Geschrieben am:

Barbara Schwartz, Autorin Lübeck Zwischenzeilen

von:

Barbara Schwartz

…. auf dem Dach

Sie gehören schon lange zu Lübeck, stehen hoch oben über unserem eigentlichen Sichtfeld und sind vielleicht nicht einmal sofort als bedeutendes Kunstwerk auszumachen, das sich einem ernsten und nach wie vor brandaktuellen Thema widmet, nämlich jenen Menschen, die auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und Tod ihre Heimat verlassen und in fremder Umgebung ein neues Leben beginnen müssen.


Zur 9. documenta 1992 in Kassel schuf der Künstler Thomas Schütte eine Dauerinstallation unter dem Titel „Die Fremden“, die durch den damaligen Golfkrieg und die großen Ströme kurdischer Flüchtlinge inspiriert wurde. Dass ein Teil der beeindruckenden Installation heute auf dem Dach der Musik- und Kongreßhalle zu sehen ist, verdankt Lübeck der Possehl-Stiftung unter ihrem damaligen Vorsitzenden Dr. Robert Knüppel. 1994 entschloss sich die Stiftung, der Stadt ein Kunstwerk im Rahmen der „Kunst im öffentlichen Raum“ zu schenken. Die Gruppe auf dem Dach der Musik- und Kongreßhalle besteht aus 3 „Menschen“ und 7 „Gepäckstücken“ und ist damit nur ein Teil des documenta-Werks.


Die Figuren aus glasierter Terrakotta sind bis zu 300 Kilogramm schwer und bis zu 2 Meter hoch. Dabei bilden die bunten Figuren hoch oben, die strenge Architektur der Halle und die historische Backsteinarchitektur der gegenüberliegenden Altstadt einen kontrastreichen Dreiklang.
Legt man eine Pause an der MuK ein und schaut hinauf, eröffnen sich neue Perspektiven auf das Thema: es wirkt auf mich, als würden die „Fremden“ mit ihrem gesenkten Blick die Menschen unten auf der Straße und auch mich betrachten. Sie selbst sind vom Alltag in der Stadt ausgeschlossen, stehen nicht nur am Rand, sondern sogar an einem erhöhten Platz beinahe in unerreichbarer Ferne. Jedoch wenden sie sich mit geschlossenen Augen der Altstadt zu als ob sie sich innerlich auf alles Neue, was vor ihnen liegt, vorbereiten. Und sie strahlen eine große Ruhe und Würde aus. Schließlich haben sie ihre bereichernde Kultur und die eigenen Traditionen im Gepäck dabei, die sie gern mit den Menschen in der neuen Heimat teilen möchten. Insofern ist dieses Beispiel für Kunst am Bau für mich eines, das Hoffnung ausstrahlt.

geschrieben von:

Barbara Schwartz, Autorin Lübeck Zwischenzeilen

Barbara Schwartz

Kennst du das auch? Du kommst an einer Inschrift, einer Skulptur oder einer Gedenktafel vorbei und musst einfach stehenbleiben, um herauszufinden, was es damit auf sich hat? So geht es mir. IMMER! „Man erblickt nur, was man schon weiß und versteht.“ Ich kann Goethe an dieser Stelle nur hundertprozentig zustimmen. Genau deshalb möchte ich nie aufhören, das nur scheinbar Unwichtige aufzuspüren, Zusammenhänge zu erkennen, Neues zu erfahren und Menschen und ihren Geschichten auf die Spur zu kommen. Okay und zu lange Sätze zu schreiben .. . Und neue Sprachen zu lernen natürlich ...

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