7 Highlights from St. Mary's

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Barbara Schwartz

Ausgerechnet St. Marien? Diese Kirche, die als „Mutter der Backsteingotik“ hundertfach beschrieben wurde? Gibt es denn irgendwelche neuen Erkenntnisse aus Archäologie, Kunsthistorie oder Kirchenmalerei, die diesen Artikel rechtfertigen? Um ehrlich zu sein: nein. Der Grund für meinen heutigen Besuch in dieser weltweit einzigartigen Backsteinbasilika ist ganz profan: es ist einer meiner liebsten Orte in Lübeck. Sehr gern möchte ich dich in den Kirchenraum mitnehmen und dir sieben Anregungen für deinen nächsten – oder deinen ersten – Besuch in St. Marien geben. Meine Marien-Momente.

7 towers – 7 tips

01

The memorial chapel – a monument

In der Nacht vom 28. auf den 29. März 1942 wurde Lübeck von Fliegereinheiten der Royal Airforce angriffen. Viele historische Gebäude, fast ein Fünftel der Altstadt und nahezu alle Innenstadtkirchen fielen dem Vergeltungsschlag eines 1940 vorhergegangenen deutschen Luftangriffs auf die Kathedrale von Conventry zum Opfer oder wurden schwer beschädigt. Die Glocken von St. Marien heute liegen bis heute in der Gedenkkapelle von St. Marien so, wie die Wucht sie aus 60 Metern Höhe hinabgeschmettert und in den Boden eingegraben hat. Es heißt, dass die Entscheidung, die Glocken an diesem Ort zu belassen, eine spontane Idee der Menschen war, die damals mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt waren. Und tatsächlich ist der Anblick der Glocken zutiefst bewegend.

Links vorn – nah am Gitter – erblickst du ein aufgeschlagenes Gedenkbuch.

As a result of the Second World War, Lübeck took in approximately 100,000 displaced persons and refugees.

The population before the war was 140,000. Many newcomers came to the memorial chapel in St. Mary's to remember their loved ones who died while fleeing and those who went missing. Their names were entered in large memorial books.

Zur Linken hängt an der Kapellenwand ein Coventry-Kreuz. Das Original wurde nach der Zerstörung der Kathedrrale in Coventry aus drei Zimmermannsnägeln zusammengefügt, die einst geholfen hatten, das Deckengewölbe zusammenzuhalten. So wurde aus den Überresten der Zerstörung ein Symbol der Vergebung und des Neuanfangs geschaffen. Es hängt bis heute in der wiederaufgebauten Kathedrale von Coventry. Die Lübecker Mariengemeinde gehört der Nagelkreuzgemeinschaft an, die sich weltweit an vielen Orten für Frieden und Versöhnung ein. Was könnte wichiger sein!

02

The Church Mouse

Selbstverständlich besuche ich jedes Mal Rosemarie, die Kirchenmaus, um einen Herzenswunsch loszuwerden. Die Maus befindet sich im Chorumgang auf einem von vier großformatigen Kunstwerken aus Kalkstein von Heinrich Brabender aus dem späten 15. Jahrhundert. Das an der nordöstlichen, den Altarraum umschließenden Brüstung angebrachte „Letzte Abendmahl“ zeigt auf der linken Seite am Fuß des rankenden Laubwerks die kleine Maus.

A legend dating back to around 1200 tells of Lübeck's continued freedom as long as the magnificent climbing rose bloomed in a niche on the south wall of St. Mary's Church. However, after a mouse built a nest at the base of the rose and gnawed it to pieces, Lübeck was forced to surrender to Danish troops. 

The stone relief also represents the wisdom that great misfortune can arise from small evils.

When you make your wish, you absolutely must stroke Rosemarie, who has turned completely black from all the touching of the churchgoers, with your left hand. Otherwise, your wish won't come true!


03

The Dance of Death Chapel and Time

Der Lübecker Maler, Graphiker und Bildhauer Bernt Notke schuf 1463 den Totentanzfries mit 24 geistlichen und weltlichen Figuren vermutlich unter dem Eindruck der Folgen der Pest. 1701 entstand eine 30 Meter lange Kopie des Gemäldes, die 1942 zerstört wurde. Der Zyklus zeigte das mittelalterliche Lübeck und einen Reigen aus 24 tanzenden Paaren, der symbolisierte, dass im Angesicht des Todes alle Menschen gleich sind. Ob arm oder reich, alt oder jung, berühmt oder unbekannt: der Tod war und ist stets gegenwärtig und macht keinen Unterschied.

Dieses Thema greifen auch die von Alfred Mahlau entworfenen 12 Meter hohen Glasfenster in der Kapelle auf. Beide Fenster sind in sieben Ebenen mit jeweils drei Figuren unterteilt. Memento mori. Deprimierend? Für mich keineswegs. Ich fühle mich eher dazu aufgerufen, das Beste aus meinen Talenten zu machen und meine Zeit gut zu nutzen. An diesen Gedanken gemahnt übrigens auch die Nachbildung der 1942 zerstörten Astronomischen Uhr in der Totentanzkapelle. In unseren ZWISCHENSTOPPS hatte ich sie dir bereits einmal vorgestellt.

04

The Kemper organ and Dietrich Buxtehude

Church music served religious devotion and was an important vehicle for cultural and social values. It was often the center of a community's musical life, offering composers the opportunity to express their creativity while simultaneously deepening the spiritual experience of the faithful. The relevance of organ music is also evident in its inclusion in the Intangible Cultural Heritage of Humanity.

An St. Marien wirkte Dieterich Buxtehude, der bereits zu Lebzeiten als bedeutender Orgenvirtuose und Komponist galt. Die von ihm 1678 initiierten „Lübecker Abendmusiken“ waren weit über Lübeck hinaus bekannt. Das Werkverzeichnis Buxtehudes weist 275 erhalten gebliebene Nummern aus. 1703 interessierte sich Georg Friedrich Händel für eine Amtsnachfolge als Marienorganist und zum Jahreswechsel 1706-1707 besuchte Johann Sebastian Bach den berühmten Musiker. Zu Fuß war er aus Arnstadt nach Lübeck gepilgert, um Buxtehude zu „behorchen“. Von ihm zu lernen und Inspiration zu finden. Geplant war ein Aufenthalt von 4 Wochen. Bach blieb 4 Monate. Die Legende besagt, dass Bach womöglich sogar Buxtehudes Nachfolge angetreten hätte, wäre damit nicht die Pflicht zur Eheschließung mit Buxtehudes Tochter Anna Margaretha verbunden gewesen, die angeblich „von herbem Charme“ war.

Die Orgel, auf der Buxtehude spielte, wurde 1942 zerstört. Mit 101 Registern und 8512 Pfeifen ist die heute im Gewölbe befindliche Kemper-Orgel aus Teak-Holz eine der größten Kirchenorgeln mit mechanischer Traktur. Die längste Pfeife misst 11 Meter, die kleinen Pfeifen haben nur einige Millimeter Länge. Wenn du im Mittelschiff von St. Marien stehst und hinaufblickst, siehst du nur einen ganz kleinen Teil der Orgelpfeifen.

05

The murals and a scandal

Wall paintings played a central role in medieval churches, especially for ordinary people who were illiterate. These artistic depictions were visual sermons and instructive narratives that helped believers understand the main aspects of the Christian faith. In addition to biblical scenes, the lives of saints were also depicted.

Wall paintings also served to convey moral lessons.

Scenes of the Last Judgment, the torments of hell, and heavenly rewards reminded believers of the consequences of their actions and encouraged them to live a God-pleasing life. These depictions were powerful and often more effective than words.

The Gothic image of St. Mary remained until 1476. Except for St. Christopher, who – reworked and renewed – can still be seen today larger than life on one of the pillars of the nave, the painted decoration was removed. Walls and columns were whitewashed, thus creating space for Baroque altars and epitaphs.

The heat of the fire in St. Mary's Church in March 1942 revealed paintings from 1330 that had been hidden under a thick layer of whitewash. Systematic uncovering and restoration began as early as 1944.

Einer der Restauratoren, Lothar Malskat, tat des Guten zuviel: Er gestaltete die Heiligenfiguren im Chor selbst. Ein Kunstband mit Malerei des Mittelalters diente als Vorlage. Nach Fertigstellung bearbeitete er die Bilder mit Sandstein, Puderbeutel und Schwämmen, damit diese möglichst alt aussahen. Zudem signiert er sie meist an versteckter Stelle mit t. f. L. M. (totum fecit Lothar Malskat). 1955 wurde er wegen Betrugs und Urkundenfälschung verurteilt. Im Langhaus blieben die Überfassungen Malskats erhalten, die in den Chorobergaden gemalten Fälschungen wurden 1957 vollständig abgewaschen.

Take your time to stroll through the church and get a feel for the interior in the 14th century and its vibrant colors. Red and green dominate. The light walls and pillars of the nave are covered with painted ashlar masonry with red mortar joints. The deep red of the chancel pillars is sure to catch your eye as well. And can you spot the larger-than-life figures of saints in the nave below the clerestory windows? From where you're standing, they don't look so enormous, do they?

Wall paintings in St. Mary's Church in Buxtehude
Crucifixion group in a blinding surface
06

Epitaphs and remembrance

Bis zum März 1942 trug St. Marien ein barockes Kleid. Im Innenraum gab es fast 40 Seitenaltäre und Einzelbildwerke und so viele Epitaphien, dass man die Marienkirche auch als „Ruhmeshalle des Lübecker Patriziats“ bezeichnet hat. Von den 80 barocken Epitaphien – Gedenktafeln reicher Lübecker Bürger, Bürgermeister und Ratsherren – blieben nur wenige erhalten. Aus Marmor und Alabaster besteht das große Epitaph des Kaufmanns Füchting im nördlichen Seitenschiff, das 1633/1634 in Amsterdam gearbeitet wurde. Den nach Füchting benannten Stiftshof in der Glockengießerstraße habe ich dir in einem Artikel bereits einmal näher vorgestellt. Du findest ihn hier. Zum Füchting-Epitaph gehört auch ein prächtiger dreiarmiger Messingleuchter von 1636 mit einer Inschrift.

Chandeliers were donated by private individuals or corporations. The chandeliers you can still see inside today date from the 16th and 17th centuries. On some, you can see the name and coat of arms of the donors on shields. I like the many connections that link individual objects in St. Mary's Church closely to Lübeck's history.

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Candlestick of the Novgorod traders from 1768
07

St. Mary's as your place

I enjoy walking around the church and appreciating the different perspectives. It's impossible not to look up again and again. With a clear height of 38.5 meters, the interior is simply breathtaking. Given the slender buttresses and pointed arches, it's easy to understand the motivation of the approximately 120 founding families and the master builders to represent, as it were, heaven on earth through the church's construction and to convey a feeling of closeness to God.

What fascinates me is the technical innovation of the master builders. For around 100 years – roughly between 1250 and 1350 – construction took place on the brick basilica at the highest point of Lübeck's old town island. If you look north from the altar towards the organ, you can even see that the church floor slopes slightly. True pioneers were at work back then! It's no wonder that the building trades are part of UNESCO's Intangible Cultural Heritage.

Perhaps you'd like to simply sit somewhere and experience the space?

The changing light moods constantly illuminate different spots in the room. You could light a candle at the Christmas tree to remember a loved one. And in a completely simple side chapel, you are invited to write down your deepest wish and place the paper in a box. I am certain that there is that one place in the room where you can recharge and feel safe. You don't need any art historical understanding or specific beliefs to experience this feeling. Just the willingness to open yourself to it.

St Marien ist täglich von 10.00 – 18.00 Uhr geöffnet. Als dein Beitrag zur Finanzierung des Erhalts dieser Kirche und ihrer Kunstschätze wird eine Gebühr von € 4,00, der sog. MarienTaler, erhoben. An verschiedenen Standorten in der Kirche kannst du kostenfrei über QR-Codes in Audio-Sequenzen eintauchen, die detaillierte Informationen vermitteln. Wenn du Lust auf einen kleinen Vorab-Besuch hast, schaue dir unser Video an.

Fast täglich kannst du in St. Marien den herrlichen Klang der Orgel genießen. Das Programm ist hier abrufbar.

Mein Tipp: Zu den mittäglichen Konzerten „Orgelpunkt Zwölf“ ist der Eintritt frei.

6 comments on “7 highlights from St. Marien”

  1. Thank you, Barbara. I was born in Lübeck and now live in Hamburg. I always enjoy going back to Lübeck and reliving those memories for a while. Your post is very well done and informative – thank you, and have fun!

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    • Thank you! I feel the same way: visiting the places that live on in my heart is always a joy. Warm greetings to Hamburg!

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  2. Liebe Frau Schwartz,
    Vielen Dank für Ihren schönen Beitrag zur Marienkirche. Kleine Anmerkung: In dem Absatz 05 zu den Wandmalereien schreiben Sie, dass die Malereien in den Chorzwickeln Fälschungen von Lothar Malskat seien und abgewaschen wurden, richtig müßte es heißen in den Chorobergaden, die Malereien in den Chorzwickeln darunter wurden ab 1953 von dem Nachfolger Lothar Schwink „ohne etwas hinzuzufügen, freigelegt,“( Zitat aus „Die Marienkirche zu Lübeck“ von Max Hasse,S. 237) also wohl die einzigen ma. Malereien in St. Marien, die weitgehend original auf uns überkommen sind. mfg.

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  3. Liebe Frau Schwartz,
    dies ist meine Lieblingskirche als Lübeckerin. Schon als Kind beeindruckten mich die herabgestürzten Glocken. Dazu die Größe und Höhe der Kirche.
    Später dann die wunderbare Akustik, die ich oft dort genießen durfte.
    Als ich Ende der 90er Jahre meinen Mann kennenlernte, wuchs mir die Kirche noch mehr ans Herz. Er hat damals bei dem Tischler, der die Hölzer gefertigt hat für die Astronomische Uhr, gelernt. Dort durfte er daran mitwirken. Ist eine wunderschöne Geschichte für uns.
    Herzlichen Dank für diesen schönen Blog!
    K. Höhmann

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    • Oh, what a wonderful personal connection to St. Mary's and such an enrichment of your life story! It remains fascinating to rediscover this church space time and again. Warmest regards to you both!

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Barbara Schwartz

Do you ever get that feeling? You walk past an inscription, a sculpture, or a plaque and you just have to stop and find out what it's all about? That's how it is for me. ALWAYS! "One only sees what one already knows and understands." I couldn't agree more with Goethe on that point. That's precisely why I never want to stop discovering the seemingly insignificant, recognizing connections, learning new things, and getting to the bottom of people and their stories. Okay, and writing overly long sentences... And learning new languages, of course...

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