Unterwegs in der Großen Burgstraße

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Barbara Schwartz

Im Norden der Lübecker Altstadt

Ins zugegebenermaßen nicht mehr ganz junge 2024 starten wir für die Lübeck ZWISCHENZEILEN mit einem Ausflug in die Große Burgstraße. Sie erschließt die von Wasser umgebene Altstadt vom Burgtor und damit von Norden aus. Das Burgtor wurde zwischen 1444 und 1448 unter der Herrschaft von Herzog Adolf VIII. von Schauenburg und Holstein errichtet.

Die Große Burgstraße wird häufig unterschätzt. Auch und gerade bei Menschen, die hier in Lübeck leben. Sie ist auf den ersten Blick tatsächlich nicht so malerisch wie andere Gassen der Altstadt. Dabei hat sie sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Neue Geschäfte, Galerien und Cafés bereichern das Angebot. Es lohnt sich, mit offenen Augen unterwegs zu sein. Wie ja letztlich immer im Leben. Anderenfalls entgeht uns doch das Beste!

Falls du ein Motto für das noch frische Jahr brauchst: Bitte hin und wieder bekannte Pfade verlassen. Mal zu weit gehen und sich dort ein bisschen umsehen.

Tonfink Kulturcafé und Bar

Wir starten schräg gegenüber vom Heilgen-Geist-Hospital. In der Großen Burgstraße 46 in Lübeck findet sich ein ganz besonderer Lieblingsort aller Liebhaber:innen guter Unterhaltung: der Tonfink. Ein kultureller Begegnungsort, an dem regelmäßig Live-Musik-Abende, Lesungen und Kunstausstellungen stattfinden. Die Atmosphäre ist locker und entpannt. Ich mag sehr, dass ich im Tonfink bekannte Singer-Songwriter:innen und auch Newcomer:innen erleben kann. René Kragl und Carolin Peter sind weltweit gut vernetzt und bringen auch Künstler:innen aus Übersee nach Lübeck. Eintritt musst du nicht zahlen, wohl aber deine Wertschätzung durch einen Beitrag für die Hutkasse leisten, die übrigens kein Hut, sondern eine Mopsfigur ist.

Mein persönliches Highlight ist das Tablequiz, das an jedem letzten Freitag im Monat stattfindet. Quizmaster Albrecht leitet durch den Abend. Frei nach Goethes Motto „Zwar weiß ich viel, doch will ich alles wissen.“ kannst du dein Wissen einbringen.  Meistens ist der Tonfink für den Quizabend bis auf den letzten Platz besetzt. Eine Reservierung ist daher ratsam.

La Cucina in der Großen Burgstraße

Katja Hagen bietet in ihrem La Cucina in der Großen Burgstraße 40 ein ganz wunderbares hausgemachtes Frühstück. Im langgestreckten Raum entdeckst du viele liebevoll platzierte Kleinigkeiten. Das La Cucina ist zudem für seine üppigen und hochwertigen Picknickboxen nach „Grazing Art“ bekannt. Hier isst das Auge definitiv mit und Jede:r greift aus der Snackbox einfach zu. Mag ich besonders für einen Ausflug an die Trave oder für meine Tour mit dem E-Boat. Wobei: aktuell ist es dafür ein klein wenig zu kalt da draußen. Es lohnt sich auch ein Blick auf den Terminkalender des La Cucina: falls du zu einem günstigen Zeitpunkt in Lübeck bist, lockt dich womöglich einer von Katjas Kochkursen.

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Fraj Biofriseur

Bei deinem Besuch in Lübeck einen Friseur-Besuch einplanen? Ja unbedingt! Der Biofriseur Fraj, in der Großen Burgstraße 30 ist für seine ökologisch nachhaltige Philosophie und die ausschließliche Verwendung von Bio-Produkten bekannt. In der Museumsnacht 2023 bin ich zufällig in diesen so besonderen Friseursalon hineingeraten und war spontan begeistert.

Rebekka Jeß und Albertina Flaverny berichten mir bei unserem Gespräch voller Leidenschaft von ihrer Arbeit. Eine nachhaltige Lebensweise liegt beiden Frauen sehr am Herzen. Über die Jahre haben sie privat und beruflich ein immer stärkeres Bewusstsein für nachhaltige Ansätze entwickelt. Haarpflege soll einen Beitrag zum Wohlbefinden leisten. Und Wohlfühlen gelingt hier auf Anhieb. Das liebevoll zusammengestellte Interieur spiegelt die Haltung der Friseurinnen wider: Selbstgeschreinertes Mobiliar und Jugendstil-Lampen. Ein imposanter Kronleuchter. Ein Schrank aus einer Haushaltsauflösung.

Bequeme Stühle, die mal beim NDR im Einsatz waren. Schwere Polstermöbel. Dieser Mix passt einfach. Zu jedem Stück lässt sich eine ganze Geschichte erzählen. Und dann gibt es eben auch noch Kunst an den Wänden. Kreative Menschen aus Lübeck und der Region nutzen die Möglichkeit, sich im Salon zu präsentieren. Aktuell stellt z.B. Dana Klak ihre farbenfrohen Werke vor.

Studio 1

Das Studio 1 in der Großen Burgstraße 34 in Lübeck ist ein wahres Paradies für Liebhaber:innen von Vinyl und CDs. Die Inhaberin Petra Willems bietet ein umfangreiches Angebot an Schallplatten aus den 60er bis 80er Jahren.

Rock-Klassiker, Independent-Musik, Klassik, Hip-Hop, deutsche schlager. kannst du hier auch deutschen Schlager und eine große Auswahl an Klassikplatten finden. Ach: eigentlich hat Petra Willms für buchstäblich jeden Geschmack etwas da. Ich muss dich warnen: wenn du deine Hand nach der ersten Box ausstreckst, um ein wenig zu stöbern, findest du kein Ende. Lauter Entdeckungen und Erinnerungen! Für eine LP musste ich in den 1970ern mein Taschengeld richtig lange sparen. 20 DM! Da musste wohl überlegt sein, welche Platte man sich kaufte.

Und dann dieses Gefühl des Plattenauflegens: das Cover inspizieren, die Platte aus der Hülle nehmen und auflegen. Das leichte Knistern, wenn die Nadel aufgelegt wird. Vinyl bleibt lebendig. Vielleicht findest du im Studio 1 einen Schatz!

Kunst im Durchgang

Zum Abschluss unseres kleinen Spaziergangs empfehle ich dir einen Abstecher in den „Struß Thorweg“. Das ist einer der vielen Wohngänge in der Lübecker Altstadt. Seit über 700 Jahren nehmen Menschen diese Abkürzung von der Großen Burgstraße zur Rosenstraße. Den Durchgang gestaltete der Künstler und Architekt Stephen Perry zu einer lebendigen Darstellung des Handwerks vergangener Zeit. Die Fotografien zeigen Szenen aus dem späten 19. Jahrhundert. Die Motive wurde mit einem besonderen Verfahren – dem Dot-Matrix-Druckverfahren in Indigo-Blau – direkt auf Keramikfliesen gedruckt.

Wenn du an der Rosenstraße angekommen bist, versäume nicht, einen Blick in den Rosengang zu werfen. Ich mag den kleinen Gang zu jeder Jahreszeit. Auch mit großen roten Sternen geschmückt, bietet er dir einen einzigartigen Ruhemoment.

Kürzlich waren wir auch für unseren Podcast Lübeck ZWISCHENTÖNE im Rosengang, um das kleinste Museum in Lübeck zu besuchen. Neugierig? Dann höre hier in die Episode rein.

Hör mal rein:

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Barbara Schwartz

Kennst du das auch? Du kommst an einer Inschrift, einer Skulptur oder einer Gedenktafel vorbei und musst einfach stehenbleiben, um herauszufinden, was es damit auf sich hat? So geht es mir. IMMER! „Man erblickt nur, was man schon weiß und versteht.“ Ich kann Goethe an dieser Stelle nur hundertprozentig zustimmen. Genau deshalb möchte ich nie aufhören, das nur scheinbar Unwichtige aufzuspüren, Zusammenhänge zu erkennen, Neues zu erfahren und Menschen und ihren Geschichten auf die Spur zu kommen. Okay und zu lange Sätze zu schreiben .. . Und neue Sprachen zu lernen natürlich ...

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